30 | Frank Richter: Warum «Love my Job» genau das Gegenteil meint
Frank Richter ist zurück im Studiocast. Diesmal aber nicht zum Arbeiten, wie er gleich zu Beginn klarstellt, sondern zum Plaudern. Und das lohnt sich: Der Comedian und Christoph Soltmannowski teilen einen Background im People-Journalismus, und wenn zwei Ehemalige aus dieser Branche zusammensitzen, kommen Geschichten auf den Tisch, die man so noch nie gehört hat.Frank erzählt von seiner Zeit bei «Glanz & Gloria»: von der Managerin, die eine Frage nach Beatrice Eglis Kindheitsinstrument strich, weil sie «zu privat» sei. Von der Anwaltskanzlei, die pro «Schweini» 10 000 Euro forderte, weil man Bastian Schweinsteiger gefälligst beim vollen Namen zu nennen habe. Und von der Erkenntnis, dass die grössten Stars meist die unkompliziertesten sind, während das Management drumherum die Probleme macht. Christoph hält dagegen: mit einem Bond-Girl, einer Aufpasserin hinter seinem Rücken und einem Weltstar, dessen Presseassistentin keine Fotos wollte. Wegen der grauen Haare.Dazwischen geht es um das Handwerk: Wie wird aus einem TV-Journalisten ein Comedian? Frank erzählt, wie ihn das Blick Live Quiz vor die Kamera brachte und warum er sich am Ende zwischen SRF und Blick entscheiden musste. Er erklärt, weshalb schwarzer Humor in der Schweiz mainstreamtauglich verpackt sein muss, warum das deutsche Publikum schneller lacht und wieso er auf dem Land manchmal bremsen muss, damit die Pointen überhaupt ankommen. Und er hat eine Beobachtung mitgebracht, die hängen bleibt: Gen-Z-Zuschauerinnen schauen bei derben Witzen erst nach links und rechts, ob die anderen lachen. Die Lizenz zum Lachen holt man sich heute offenbar beim Sitznachbarn ab.Natürlich ist auch sein aktuelles Programm «Love My Job» Thema. Der Titel ist ironisch gemeint, denn Frank kann den LinkedIn-Hashtag nicht ausstehen: Wer vom Betriebsausflug auf den Pilatus ein Gruppenfoto mit #lovemyjob postet, will laut ihm vor allem eines, nämlich dem Chef Honig ums Maul schmieren. Über Social Media hat er trotzdem seine Meinung geändert. Sein Fazit nach dem späten Einstieg: Am Anfang ist es cringe, später ist es Content. Und es füllt die Theater.Ausserdem: Wie Sacha Baron Cohen als Ali G an sein Trump-Interview kam, warum Donald Trump überhaupt in «Home Alone 2» mitspielt, was Macaulay Culkin heute macht, wie Joel von Mutzenbecher als Regisseur mit Frank 32 Figuren samt eigener Stimme und Körperhaltung erarbeitet hat und weshalb Frank als kokainsüchtiger HR-Chef in einem Kurzfilm einen Ritterschlag erhielt.Eine Stunde über Comedy, Promis und die Frage, wie viel Inszenierung in der Spontaneität steckt. Reinhören lohnt sich.Alle Termine zu «Love My Job» gibt es auf Frank Richters Website und seinen Social-Media-Kanälen.Kapitel:00:00 Intro: Taylor Swift und der starke Franken01:40 Von der Lokalzeitung zu «Glanz & Gloria»03:47 Beatrice Egli und die zwei Managerinnen05:34 Bond-Girl, Prinz Albert und Paul McCartneys Haare08:46 Haartransplantationen und graue Bartkränze10:17 Blick Live Quiz und der Abschied vom SRF14:37 Schwarzer Humor und die Grenzen der Comedy16:55 Warum die Gen Z erst nach links und rechts schaut20:20 Ali G, Trump und «Home Alone 2»22:52 Kinderstars: Culkin, Jodie Foster, Sofia Coppola26:01 Schlagfertigkeit: alles inszeniert?28:53 Lady Gaga im Hallenstadion und Conan O'Brien30:18 Deutsches Publikum vs. Schweizer Publikum32:35 Stadt, Land und der Kantönligeist35:07 «Love My Job»: Warum der Hashtag nervt38:28 Social Media: Am Anfang cringe, später Content42:16 Das vierte Programm und die Tour43:21 Schauspiel: der kokainsüchtige HR-Chef45:17 Joel von Mutzenbecher und 32 Figuren46:44 Böse Mails: Schweini und andere Empörte53:07 Verabschiedung
Podcast produziert von Christoph Soltmannowski.