Elfi Schaefer-Schafroth tanzt seit über 50 Jahren. Im November bringt die Zürcher Choreografin mit «BackGround» südafrikanischen Pantsula und die Geschichte ihres Vaters auf die Bühne. Gleichzeitig findet DanceXchange, ihr Festival mit Jugendlichen der Kantonsschule Rämibühl, zum 20. Mal statt.
Vor 30 Jahren strandete Elfi Schäfer-Schafroth allein auf einem Bootsskelett. Mit «KörperSand» eröffnete sie 1996 das erste Festival TANZINOLTEN, ein Sandwasserfall rieselte auf die Bühne. Am 18. November steht das Boot wieder in Olten. Diesmal mit sieben Pantsula-Tänzerinnen und -Tänzern aus Südafrika, dem Tanzprojekt Elfi Schäfer-Schafroth und Oltner Jugendlichen.
Dazwischen liegt ein Berufsleben, für das sie im November 2025 den Bildungspreis der Stiftung Pestalozzianum erhielt. Sie unterrichtete 40 Jahre an der Kantonsschule Rämibühl und baute an der Pädagogischen Hochschule Zürich den Bereich Tanz auf.
Pantsula trifft Verdingbub
«BackGround» entstand in über zwei Jahren mit dem Fishers of Man Arts Project aus Katlehong bei Johannesburg. Pantsula kommt aus dem Township, entstand während der Apartheid. Schäfer-Schafroth lernte die Gruppe durch Irene Loebells Dokumentarfilm «Life in Progress» kennen. Pantsula ist Vollgas. «So ähnlich wie Breakdance. Das kann man nur ein paar Minuten richtig machen.» Die Südafrikaner wollten lernen, einen ganzen Abend zu gestalten, mit langsamen Teilen, Soli und Geschichten. Also flog das Zürcher Team ins Township.
Dort wollten die Tänzer mit ihr auftreten. Sie sagte zuerst Nein. Ältere weisse Menschen aus Europa auf der Bühne mit schwarzen Tänzern aus dem Township: Sie sah Schwierigkeiten kommen, und sie kamen. «Irgendwann dachte ich, es ist egoistisch, wenn ich Nein sage, nur weil ich mich schützen möchte.»
Die Verbindung fand sie in ihrer Familiengeschichte. Ihr Vater war ein Verdingbub. Der Grossvater stürzte als Dachdecker vom Dach, die Mutter konnte drei Kinder mit Putzen nicht ernähren. Der Vater kam ins Welschland, arbeitete für zwei Bauern. «Einer war nett und einer war böse.» Eine Tänzerin aus Katlehong verlor mit sieben ihre Eltern und trug für die Geschwister täglich eine Stunde lang Wasser auf dem Kopf. «Das sind ganz ähnliche Geschichten», sagt Schäfer-Schafroth. «Und noch etwas war gleich: Sie haben durch den Tanz ihr Glück gefunden. Ich auch.»
Regie führt Jochen Heinrich, «der Kopf hinter dem Ganzen». Ihr Mann Martin Schäfer verantwortet Bühne und Requisiten, Pia Bögli die Kostüme. Dazu kommt Stepptänzerin Amanda Bisig: Pantsula ist rhythmisch mit Stepptanz und Gumboot-Tanz verwandt.
Drei Formate, ein Stück
Olten zeigt die ganze Tanztheater-Fassung, am Schluss tanzen Oltner Jugendliche «Taxi nach Johannesburg» mit. Vorher besucht Schäfer-Schafroth Schulklassen: mit dem Rucksack ihres Vaters, seinem zur Sonnenmütze geknoteten Taschentuch und Gummistiefeln wie jenen der Minenarbeiter. In Thalwil läuft das Stück auf kleiner Bühne, nah am Publikum. In der Aula Rämibühl zeigt DanceXchange 20 einen Ausschnitt.
DanceXchange ist ihr Modell: Profis aus aller Welt stehen mit Jugendlichen der Tanzgruppe Rämibühl auf der Bühne. Kein Wettbewerb, keine Leistungsschau. «Die Aufführung ist so gut wie diejenige, die am wenigsten weiss. Die anderen sollen allen helfen.» Neu choreografieren die Jugendlichen eigene Stücke.
Die Gymnasiastinnen sind privilegiert und sitzen später an Schaltstellen. Wer mit Menschen aus dem Township, aus Indien oder Mexiko tanzt, entscheidet später anders. «Alles, was man nicht kennt, lehnt man ab.» Im Tanz passiere die Begegnung auf Augenhöhe, ohne Sprache.
Weil es in der Schweiz keine professionelle Tanzausbildung gab, ging Elfi in die USA. In New York klopfte sie an Türen: «Habt ihr was zu tanzen? Ich bin jetzt hier.» Zwei Stunden später tanzte sie an einer Vernissage. 2004 zählte die New York Times sie zu den eindrücklichsten freischaffenden Tänzerinnen des Jahres. Da arbeitete sie längst wieder in Zürich. Schweizer Förderung gab es keine. «Ich habe schon Angst, aber ich bin furchtlos.»
Die Tanzgruppe hat sie einer Nachfolgerin übergeben, die Aufführungen bleiben bei ihrem Team und ihr. Nach dem Umbau der Aula Rämibühl muss DanceXchange neu aufgebaut werden, «mit frischem Blut». Loslassen will sie noch nicht. «Ich tanze so gern.»
BackGround und DanceXchange 20
Website Background https://www.tanzprojekt.org/background
Website DanceXchange https://www.tanzprojekt.org/dancexchange
DanceXchange 20 mit Ausschnitten aus BackGround, Aula Rämibühl Zürich: Montag, 2., und Dienstag, 3. November 2026, 19.30 Uhr.
BackGround, Kulturraum Thalwil: Samstag, 14. November 2026, 20 Uhr, und Sonntag, 15. November 2026, 17 Uhr.
BackGround, Schützi Olten, Festival TANZINOLTEN: Mittwoch, 18. November 2026, 19.30 Uhr.
Podcast produziert von Castalavista http://www.castalavista.ch.
Moderation: Christoph Soltmannowski